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    DEN SCHWARZEN TOD REITEN #KTM 1290 Super Adventure S

    Wenn die vermeintliche Ideallinie einfach in den Graben führen musste und du zuvor auf der Maschine versteinert bist, dann hat dir deine Psyche einen Streich gespielt. Denn eigentlich hätte die Maschine die Kurve locker kriegen müssen.

    Die Psyche fährt mit

    Die Ideallinie sollte aber keinesfalls in den Graben führen. Wieso also die Landung im Graben? Es sind die negativen Gedanken, z.B. um einen schmerzhaften Crash, die wir wissentlich oder unwissentlich immer im Gepäck haben. In scheinbar aussichtslosen Situationen wird Adrenalin frei gesetzt, die Muskeln werden angespannt, du könntest einen Grizzly nieder- ringen und klammerst stattdessen den Lenker mit beiden Händen so stark, das die Knöchel weiß werden und aus dem Handschuh heraus explodieren wollen. Gleichzeitig reißt du die Augen auf, ziehst die Handbremse wie ein Stier, versuchst mit beiden Knien den sich aufbäumenden, bockenden Dreckbock den Sprit aus dem Tank zu pressen, aber nichts geht! Das Moped will in der Kurve geradeaus, ums Verrecken in den Graben!

    Hoppala

    Scheisse, der Leitpfosten kommt immer näher, leck ist der Graben tief, oh Gott, warum ich, man flieg ich weit, vielleicht schaff ich’s trotzdem? Pustekuchen… Du wachst auf und ein Polizist schreit dich an und fragt dich nach deinem Namen, der Sanni knallt Dir zum zweiten Mal eine und wehe du antwortest nicht. Die Birne brummt und du liegst im Krankenwagen und dein Moped, verdammt wo ist das Moped? Rechts neben dir liegt der gespaltene, nagelneue 650 Euro Helm. Und um nicht die dritte brennende Ohrfeige verpasst zu kriegen fragst du: „Ist mein Moped noch heil?“ Das kommt immer gut und du hast dann erstmal Ruhe. Kennst du das? Was ist passiert?

    Der schwarze Tod

    Eigentlich nichts Wildes, ich hatte nur in der Kurve den „schwarzen Tod“ gesehen. Nicht die epidemische Pest, doch ähnlich tödlich. Der schwarze Tod- das sind beschissene Fahrbahnvernarbungen, die mit Bitumen schlampig ausgefüllt wurden. Dann war auch noch die Straße nass und ich hatte schon in die Kurve eingelenkt. Und was mir das Adrenalin einschießen ließ, war ein 10 cm Rutscher über den Bitumen. Gedankenblitz: Jetzt fliege ich auf die Fresse!

    Schauen wir mal genau hin

    Hier halten wir mal das Bild an. Denn ab hier habe ich einfach nur meinem Moped die Möglichkeit genommen, seinen Job zu machen.

    Negative Wahrnehmungen:

    Zielfixierung: Fahrbahnvernarbung, Bitumen, nasse Fahrbahn, Schräglage, Kontrollverlust- Panik!

    Negative Reaktionen:

    Tunnelblick, Adrenalinausschüttung, Lenkergriffklammern, Tankklammern, Erstarren, eine fehlerhafte Sitzposition! Kurz: „Bullriding mit Helm!“

    Folgen

    Versteifung des vorderen Fahrwerks, es vermag nicht mehr zu pendeln und nimmt weniger oder kaum Lenk- und Dämpfungsimpulse auf. Ausuferndes Gleiten des Vorderrades, bedingt durch eine jetzt unzureichende Dämpfung. Direkte und ultraharte Rückmeldung der Vorderradgabel in die verspannten Hände und Arme, die sich im Bremsvorgang fälschlicherweise auf dem Lenker abgestützt hatten. Fehlinterpretation der Gesamtsituation, Aufgabe der geplanten Linie, Abflug in die Pampa, Trümmerbruch im rechten Fuß, 2 Jahre Auszeit vom Motorradfahren.

    Den schwarzen Tod reiten

    Ich habe mir lange Gedanken darüber gemacht, wie man wohl den schwarzen Tod reitet. Im Laufe der Zeit habe ich viele Mopedfahrer, Fahrinstruktoren und Rennfahrer gesprochen, die scheinbar problemlos nasse Kurven mit schwarzen Vernarbungen, weißen Streifen und dazu noch Schlaglöcher fahren konnten. Alle zusammen hatten teilweise ähnliche Erfahrungen gemacht. Aber alle fahren angstfrei im Regen, bei Schräglage und mit verdammt hoher Geschwindigkeit! Woran liegt das?

    Was ist das verdammte Geheimnis?

    Natürlich befinden die sich auf der Regenlinie (Ideallinie bei Regen). Zudem habe ich festgestellt, dass diese Regenprofis scheinbar eine ausgeprägte Rumpfmuskulatur besitzen und sich deshalb eben nicht auf dem Lenker abstützen müssen, sie schweben quasi mit dem Oberkörper über dem Lenker. Trotzdem sind diese Regenexperten in der Lage, der Maschine hochpräzise Lenkimpulse zu geben. Genauer betrachtet gestatten sie der Maschine, ihnen nur Rückmeldung bis in die Hände zu geben. Diese Impulse sind so schwach, dass sie zwar für die Kurvenarbeit auslesbar sind, aber beim Fahrer keine Panik verursachen.

    Secret Biker Gadgets

    Ergo, diese Regengötter müssen Bauchmuskeln haben, dass es knallt. Haben sie teilweise auch- und keine Frage, alle sind fit wie Turnschuhe! Aber wenn man deren Klamotten oder Bikes genauer anschaut, haben sie Helferlein, die sie bei der Regenarbeit (u.a. Lenker entlasten) unterstützten. Secret Gadgets, die für Außenstehende scheinbar Schnickschnack oder Zierwerk sind. Zum einen sind das Seitentankpads, die es den Knie ermöglichen, sich am Tank zu fixieren.

    Zum anderen sind solche ähnlichen Haftflicken in den Knieinnenseiten an deren Anzügen verbaut.

    Kurvenstützarbeit

    Das erleichtert die besagte Stützarbeit enorm, so dass die „Kurvenstützarbeit“ irgendwann dazu gehört und „Fahrbahn Irritationen“ egal welcher Art einfach „weggefahren“ werden. Zuletzt geben die Regengötter , die auch auf nasser Straße durch die Kurven ballern, ordentlich Kohle für ihre Mopedanzüge aus. Im Schnitt kosten sie ein Viertel der Anschaffungskosten ihres Mopeds, 16 Protektoren, Leder Ein- oder Zweiteiler, 700 Euro Helm und Weiteres. Sie wissen, dass sie ohne Blessuren wieder aufstehen können, auch wenn sie physikalische Grenzen „absichtlich“ ausgereizt oder gar überschritten und mit 200 km/h satte sieben mal das Kiesbett im Freiflug bis in die Banden durchschlittert haben.

    Regenrutscher

    Auch bei ihnen rutscht die Maschine in der regennassen Kurve auf Bitumen weg wie bei uns auch. Durch den unbelasteten aber nicht geklammerten Lenker geben die Regengötter dem Moped so aber die Möglichkeit, den Rutscher zu kompensieren. In der Folge fährt deren oder deine Maschine die Kurve wie gewünscht zu Ende. Wegen der Rumpfspannung und dem entlasteten Lenker kommt also keine Panik mehr auf, so kann ich das bestätigen. Der schwarze Tod macht mir keine Angst mehr, so dass ich jetzt in der Lage bin, mit der Kurve zu spielen, auch wenn es regnet.

    Dein Motorrad kann mehr als du glaubst!

    Regenzauberformel:

    Regenlinie + Kräftige Rumpfmuskulatur + Gadgets + Kurvenstützarbeit + gscheiter Anzug = keine Panik bei Kurven-Highspeed mit Rutschern im Regen!

    Persönliche Anmerkung:

    Ich bin definitiv noch nicht fit genug, arbeite aber daran und spare für noch bessere Klamotten. Meine aktuelle Mopedkleidung habe ich geprüft und bin damit noch nicht so ganz zufrieden. Ich weiß, dass mein Moped und ich die Rutscher packen können, werde es aber tunlichst unterlassen, mich auf der öffentlichen Straße an physikalische Grenzen heranzuarbeiten. Vielmehr werde ich langsamer sein, um schneller zu werden.

    Bauplan für Bestzeiten

    Aufgepasst, das bedeutet, das ich im Kurveneingang langsamer sein werde, als im Kurvenausgang! Eine gute Regel, in Verbindung mit der Ideallinie der Bauplan für Bestzeiten! Und das heißt, dass ich in jedem Fall gewinne, psychisch und physisch… und sowieso auf der Strecke. Und jetzt kann ich es mir sogar erlauben über Kunststücke mit meiner Super Adventure S nachzudenken.

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