KTM 1290 Super Adventure S – Elektronisches Fahrwerks 1×1 und meine Einstellungen

Elektronisches, semiaktives Fahrwerk. Wie geht das? Was ist das, ist das auch ein Assistenzsystem? Kurzum, das semiaktive Fahrwerk passt die Dämpfung der Zug- und Druckstufe des Motorrades in Millisekunden dynamisch an die jeweilige Fahrbahnsituation und Fahrsituation an, und reagiert automatisch auf Bremsen, Beschleunigen, Fahrbahnbeschaffenheit und Kurvenfahrten. Den wohl größten Einfluß hat das semiaktive Fahrwerk beim Thema Zuladung. Musste man früher die Federn „von Hand“ vorspannen, geschieht dies nun automatisch, also ist das elektronische, semiaktive Fahrwerk ein Assistenzsystem. Und ist es richtig eingestellt, kannst du Schlaglöcher in Kratergröße, Spurrillen, vernarbte Fahrstreifen und Kopfsteinpflaster im Felsformat locker nehmen und in gewohnten Aufrechthaltung „absurfen“. Semiaktive Fahrwerke sind daher ganz klar ein Sicherheitsgewinn, wenn man sie richtig einstellt.

Die richtige Abstimmung finden

Für die Hersteller dieser elektronischen semiaktiven Fahrwerke ist es nicht leicht, die richtige Abstimmung für jeden Biker zu finden, respektive zu verbauen. Wir Biker sind unterschiedlich groß und schwer und wir laden mal mehr, mal weniger zu. Was ist zu tun? Für eine vernünftige Abstimmung deines elektronischen Fahrwerks gilt es, zunächst einmal die Zuladung zu bestimmen. Was wiegst du, dein Sozia und dein Gepäck. Und aufgepasst auch das Überladen und falsche Beladen deiner Maschine hat Auswirkungen auf das elektronische Fahrwerk und dessen Fähigkeiten. Schlußendlich spielt auch der richtige Reifen und der passende Reifendruck eine große Rolle. Aber beschränken wir uns zunächst einmal nur auf die Möglichkeiten, die uns das semiaktive, elektronische Fahrwerk bietet.

Fahrer + Gepäck
Bei Fahrern mit einem Gewicht von 100 kg und mehr ist es besser, die Zuladung auf Fahrer + Gepäck einzustellen.

Wie stellt man das Fahrwerk denn nun richtig ein?

Ist die Zuladung höher, kann ich per Knopfdruck die Federspannung anheben, dabei wird auch der Federweg angepasst. Bei der KTM 1290 Super Adventure S gibt es vier Einstelloptionen: Fahrer, Fahrer mit Gepäck, Fahrer mit Sozia, Fahrer mit Sozia und Gepäck. Ein Beispiel: Vom Werk aus sind in den Standardeinstellungen des Fahrwerks mit 80 – 90 Kilo Last hinterlegt. Der Standard Motorrad Fahrer von KTM (egal welcher Hersteller) ist scheinbar ein sehr dünner Kerl, untergewichtig und trägt Klamotten, die scheinbar nichts wiegen. Das ist schon witzig.

Erstmal die Federspannung richtig anwählen

Die Realität schaut aber anders aus, ich wiege mit Lederkluft, Handy, Kamera, Schlüssel und ner Menge Kleingeld im Sack, satte 135 kg. Ich berücksichtige also meine Masse bei den Einstellungen für die Federspannung (Zuladung) und stelle mir den Standardfahrer mit Gepäck ein. Damit ist zunächst einmal der Federweg respektive die Federspannung richtig eingestellt, das ist schonmal die halbe Miete.

Feinschliff für Kurvenluxus pur

Dann mache ich mir Gedanken, was mein Fahrwerk wegstecken muss und welchen Fahrstil ich meinem Fahrwerk zumute. Ich überlege, ob ich’s gemütlich oder sportlich will und denke über das Einsatzgebiet meines Motorrads nach. Ich überlege, ob ich Langstrecke bombe oder Landstraße baller. Ist die Fahrbahn gut ausgebaut oder ist mit schlechtem Strassenbelag zu rechnen. Sind dann auch noch Kehren dabei und, wie schaut’s mit Regen aus? Ich will mein Fahrwerk so eingestellt wissen, das ich die beste Haftung für meinen sportlichen Fahrstil habe. In meinem Fall nehme ich das Kurveneldorado Trentino als Beispiel. Das heißt, mein Fahrwerk soll viele Kehren, schlechter, oft wechselnder Fahrbahnbelag, Fahrbahnvernarbungen, Bodenwellen bei hoher Beschleunigung und starker Schräglage meistern können. Ich stehe nicht so auf jede Rückmeldung von der Fahrbahn, ich stehe eher auf Präzision und überlasse das Reagieren auf die unterschiedlichen Fahrbahnbeschaffenheiten meinem elektronischen Fahrwerk. Was mache ich also? Ich stelle mein Fahrwerk kurzer Hand auf Komfort und nehme etwas tieferes Eintauchen vor jeder Kehre in Kauf. Die Einstellung Street habe ich im Hinterkopf, im Falle ich Kurvenduelle fahren würde. Das Mapping stelle ich dabei auf Street, schnell und sehr komfortabel gehts dabei voran.

Dämpfung richtig einstellen ist wichtig.
Das Fahrwerk soll so präzise wie möglich eingestellt sein. Ich habe es nicht so gerne, wenn es mir zu harte Rückmeldung gibt. Deshalb wähle ich die Einstellung Comfort.

Welche Fahrwerkseinstellung für welchen Fahrstil?

Warum nicht die Fahrwerkseinstellung Sport? Ist die Einstellung Komfort nicht viel zu weich für die Herausforderung Trentino, wäre da nicht Street viel besser? Die Fahrwerkseinstellung Sport gibt mir persönlich zu harte Rückmeldung in die Handgelenke und befeuert mir zu sehr die Psyche. Ich bin schlichtweg nicht in der Lage, den harten andauernden Input zu verarbeiten. Er lenkt mich vom Fahrspaß ab, dem Lesen der Straße, der Suche nach dem Scheitelpunkt, der richtigen Gangwahl oder um schneller aus der Kurve heraus zu kommen, als ich eingefahren bin. Die Einstellung Sport nutze ich seltener, ich beschränke mich auf die Einstellungen Komfort und im Falle es kurzfristig heißer her gehen könnte, setze ich auf die Einstellung Street und den Fahrmodus Sport. Die läßt das Fahrwerk nicht ganz so weit eintauchen und läßt eine präzisere Spur bei höheren Geschwindigkeiten mit gelegentlichen kleinen Beschleunigungs-Drifts in der Kurve zu.

Fahrmodus Street für die Berge
Semiaktives elektronisches Fahrwerk richtig einstellen. Fahrmodus Street im Trentino.

Fahrwerkseinstellung im Regen

Aber auch wenn es Bindfäden regnet, bin ich bestens mit dem Fahrwerks Modus Komfort bedient. Ich muss dann lediglich von meinem sportlichen Fahrstil weg auf einen normalen gesetzten Fahrstil wechseln und das starke Beschleunigen lassen und alles passt wie angegossen. Und wenn ich noch bessere Ergebnisse erzielen möchte, dann fange ich zusätzlich an, mit dem Reifendruck zu spielen. Vorne 0,1 bar raus und hinten 0,2 bar, so würde ich mich bei der nächsten Tour festlegen. Wer im Regen mit der Strecke überfordert wird, kann noch auf das Motormapping Rain Mode zurück greifen. Er lässt dich in jedem Fall die regennasse Straße sicher beherrschen.

Persönliche Vorlieben

Wie du sehen kannst, spielen auch persönliche Vorlieben, vielleicht auch dein persönlicher Fahrstil bei der Wahl deiner Fahrwerkseinstellungen eine wichtige Rolle auf dem Weg zur Ideallinie. Vielleicht geben die meine Einstellungen eine Vorstellung, wie du mit den Einstellungen deines Fahrwerks variieren kannst. Was hast Du für Erfahrungen mit deinem KTM 1290 Super Adventure S Fahrwerk gemacht?

Eine Antwort auf „KTM 1290 Super Adventure S – Elektronisches Fahrwerks 1×1 und meine Einstellungen“

  1. Hinweis: Es gibt auch die Möglichkeit, die Vorspannung der hinteren Federung im Offset noch etwas zu erhöhen. Mir war die Standardeinstellung „Fahrer ohne Zuladung“ auch etwas zu weich, weshalb ich zunächst als „Fahrer mit Gepäck“ fuhr, aber eben ohne Gepäck. Von einem Bekannten bekam ich den Tipp mit der Offset-Änderung. Dies kann die Werkstatt durchführen, die Feder steht danach etwa 5 mm höher. Dies sei laut Werkstatt das Maximum, mehr geht nicht. Mit der Einstellung komme ich besser zurecht, und ich habe nun beim Beladen auch wieder mehr Luft nach oben.

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