Reifenwahl Rennstrecke mit Straßenbereifung KTM 1290 Super Adventure S

Nachfolgend mein persönlicher Reifentest mit den Michelin Road 5 Trail Reifen. Auf der Rennstrecke, dem Autodrom in Most in Tschechien.

Fahrwerksflattern

Nach Fahrwerksflattern, bedingt durch unpassende Bereifung, falschen Fahrwerkseinstellungen und einer ungespannten Kette habe ich vom Pirelli Scorpion Trail 2, auf den Michelin Road 5 Trail gewechselt.Grund: Nach 3500 km war vorne, vom Profil nichts mehr da und der Grip vorne war mir einfach nicht ausreichend, zum anderen ergaben sich nach 3000 km Unwuchten, die bestimmt beim Reifendealer behoben werden könnten. So starke Unwuchten, das ich einfach nicht mehr VMax (Höchstgeschwindigkeit) gehen könnte. Nachwuchten war mir einfach zu viel Gefummel. Also hab ich mich dazu entschlossen, auf einen Reifenpaar mit mächtig Grip zu wechseln, dem Michelin Road 5 Trail.

Das Bild zeigt das Hinterradprofil des Michelin Road 5 Trail mit knappen 1000 km Autobahn und etwa 6 Highspeed Tests.

Rennen gegen einen BMW Biturbo mit über 330 km/h Spitze

Nachdem alle Einstellungen an meiner KTM Super Adventure S richtig vorgenommen wurden (neue Reifen, Fahrwerk richtig einstellen, Kette spannen und mit dem Laser ausrichten), bin ich gleich auf die Bahn und habe mir dort mit nem 5er Alpine Biturbo ein Rennen geliefert. Ich wollte wissen, was denn nun mit dem Fahrwerksflattern ist und wie sich meine Maschine bei Topspeed in „Bad Air“ verhält. Das zufällige Treffen mit dem Biturbo Titan auf der Bahn passte wie die Faust aufs Auge, einfach perfekt. Nach kurzem gegenseitigem Aufheizen sind wir zusammen die A3 runter gebrochen, bei 261 km/h ließ mich der Bolide stehen. Ich blieb noch kurze Zeit hinter dem BMW in „Bad Air“ und konnte absolut kein Fahrwerksflattern mehr feststellen. Die Maschine ließ sich bei der Speed sogar einhändig fahren.

VMax mit Koffern

Weiterhin habe ich dann ebenfalls einen VMax Versuch mit den KTM schwimmend gelagerten Koffern probiert (empfohlene VMax 150 km/h) und konnte hier bis zu 255 km/h ohne Fahrwerksflattern oder Shimmy Effekt erreichen. Die Super Adventure S blieb stabil und war ebenfalls leicht einhändig beherrschbar.

Wir, die Jungs vom Motorradstammtisch haben unsere Maschinen für Most vorbereitet und auf einem Anhänger zum Transport an die Rennstrecke verladen.

Alle Weichen für Most gestellt

Mit diesen Tests und Einstellungen habe ich dann alle Weichen für Most gestellt. Ich hatte den Reifen gefunden, den ich auf dem rauhen Asphalt in Most getrost abfeuern konnte, ohne das Moped und mich selbst ins Aus zu ballern, der Michelin Road 5 Trail war perfekt.

Reifendruckempfehlungen

Most und die Reifendruckempfehlung vom Veranstalter:

Tipp: Verpasse keine Fahrerbesprechung, hier bekommst du immer wertvolle Tipps und aktuelle Streckenhinweise.

Da mir wie immer der richtige Reifendruck Kopfzerbrechen verursachte und ich diverse nicht ganz schlüssige Reifendruckempfehlungen aus den Foren aufliegen hatte, war ich ganz froh um die Empfehlung des Veranstalters des Fahrtrainings. Er gab an, vorne und hinten 0,2 bar weniger als vom Hersteller empfohlen einzugeben. Die Empfehlung beim Michelin Road 5 Trail lautete: 2,5 bar vorne und 2,8 bar hinten. Schlußendlich 2,3 vorne und 2,6 hinten. Mit der Orientierung bin ich dann auf die Piste und habe damit gute Erfahrungen gemacht.

Meine Einstufung auf der Rennstrecke in Most:

Ich bin in der A3 Gruppierung zwischen den abgebildeten Boliden gefahren und habe wie der Veranstalter meinte, das Fahrerfeld durchpflügt. Richie, so heißt der Veranstalter meinte, das ich auf Grund meiner Speed in das A2 Team gehöre, also zu den Semiprofis. Die Profis sind in der Gruppe A1 unterwegs. Testfahrer sind mit Instruktor in der Gruppe B unterwegs.

Hier bin ich mit der Startnummer 8 dabei, meine Mitfahrer auf der Außenlinie zu überholen, die Ideallinie war besetzt.

Ich konnte mit den Pellen ohne besondere Fahrtechnik z.B. Hanging off, also im Big Enduro Stile, locker aufrecht sitzend, Zeiten um die 1:56 und 1:57 pro Runde auf dem Autodrom in Most gut erreichen.

Ich bin mir sicher, das man da noch mehr heraus holen könnte, so das eine 1:50 oder 1:53 realisierbar gewesen wäre. Das war aber eigentlich nicht das Ziel.

Hanging off

Dazu müsste man eben wie erwähnt im Hanging off auf der Ideallinie unterwegs sein und man darf nicht vergessen, man ist nicht mit Slicks unterwegs. Damit könnte man noch besser aus der Kurve heraus beschleunigen. Die Maschine an sich würde das locker packen. Mit Slicks wäre noch viel mehr drinnen! Da würde ich noch weiter in die Kurven liegen und das Hinterrad müsste nicht ständig vom MSC, beim aus der Kurve beschleunigen, in Zaum gehalten werden.

Im Drift durch die Kurven

Mit dem Straßenreifen fährt man beinahe im Drift durch die Kurven. Das ließ sich so schön kontrollieren, so dass ich mir überlegte, einmal tatsächlich so richtig im Drift durch die Kurve zu gehen, das habe ich dann aber doch tunlichst bleiben lassen.

Das Vorderrad ist mir nie weggerutscht, egal wo und wie sehr ich den Handbremshebel drückte. Die Fußbremse schien total überflüssig, weil das Handbremssystem die Bremslast vorne und hinten optimal verteilt.

Wenn du dir meine Hinterradbremsscheibe anschaust (6.), dann siehst du wieviel Hitze hinten wirkte. Sie ist blau eingefärbt, trotzdem ich nie mit der Hinterradbremse bremste, eigentlich keine gutes Zeichens aber dennoch gut zu wissen! Hier wird die Bremslast bis an den Anschlag verteilt, damit du auf der Piste bleibst! Die blaue Bremsscheibe bedeutet, das sie ausgeglüht wurde. Jetzt besteht die Gefahr, das sich die Scheibe bei ähnlichen Belastungen verziehen könnte.

Volle Pulle Schräglage

Die Schräglagenfreiheit an sich ist mit den standard Fussrasteneinstellung schon hervorragend, kostete mich aber zwei Paar Schuhe, so das ich im Rennbetrieb die zweite Fussrastenverstellung (gedrehte Fussrasteraufnahme) empfehlen würde. Den Hauptständer habe ich übrigens gänzlich entfernt, der hockt im Strassenbetrieb relativ früh auf.

In der Standard Einstellung gehen die Fussraster bei maximaler Schräglage minimal auf.

Die Fussraster lassen sich um 180 Grad drehen und liegen dann etwa entscheidende 2 cm höher. In der Betriebsanleitung der KTM steht der Umbau gut beschrieben.

Bremsen wie Anker

Die Bremsen sind phänomenal, ich würde sie als Anker bezeichnen. Mit den Bremsen konnte ich das Teilnehmerfeld sezieren, z.b. über die Curps überholen oder in Spitzkehren einbremsen, ohne zu stürzen oder den Stempel bis in die Kurvenmitte gedrückt halten (Kurven ABS) ohne abzufliegen.

Hinterreifen Michelin Road 5 Trail nach 400 km Rennstrecke. Den Reifen habe ich bis zur Außenkante (2.) gefahren. Der Bereich zwischen (1.) und (2.) zeigt die Profilzone mit dem meisten Gripp. Hier sind die Sporttourer mit einem Neigungswinkel von über 30 Grad Schräglage zu Hause. Ich empfand das als äußerst praktisch. Dort war der Reifen eh ein „Slick“ also glatt und hat sich vom „Erscheinungsbild“ her quasi nicht verändert.

Egal wie sehr ich mich angestrengt hatte, es war mir am Vorderrad meiner Super Adventure S nicht möglich die Außenkante des Michelin Road 5 Trail anzufahren (3.), es fehlten noch beruhigende 5 Millimeter zur Außenkante. Das bedeutet für mich: Wenn ich meinen Hinterrad in der Schräglage / Kurve die Möglichkeit gebe, mehr Grip durch mehr Auflagefläche aufzubauen, kann ich entweder noch höhere Kurvengeschwindigkeiten fahren oder das Bike gefahrlos, noch tiefer in die Kurven legen, also enger fahren.

Gespräch mit Michelin, Pirelli und Metzeler

Nach Gesprächen mit Michelin, Pirelli und Metzeler kristallisierten sich 2 Möglichkeiten heraus. 1. Beste Option, hinten, eine 6 Zoll Felge, damit ich vom 170 ger Reifen auf einen 180ger Slick oder einen 180ger Michelin Road 5 wechseln kann. Oder 2. Mischbereifung, hinten ein klebriger Pirelli Super Corsa 2 auf der 5 Zoll Originalfelge und vorne, in beiden Fällen der bewährte Michelin Road 5 Trail. Mischbereifung verursacht mir immer ein flaues Gefühl im Magen, aber die Mischbereifung auf der Originalfelge wird trotzdem meine Wahl für Most 2020 sein.

@ Michelin: Um den Reifen noch besser mit der Big Enduro KTM Adventure S ausfahren zu können wäre eine Reifenzulassung mit der Größe: 180/60/17 auf 5 Zoll breite, hinten erste Sahne! Macht Euch da mal Gedanken drüber bitte. Von Mischbereifung würde ich absehen, hätte Metzeler endlich die Eier in der Hose, den M7RR in der passenden Größe für die GS, respektive meine KTM Super Adventure S (Reifen ohne Strassenzulassung für die KTM) zu bauen. Weil am Telefon gab man mir zu verstehen, das man die 19 Zoll Bereifung für die GS (oder die KTM) nicht bauen wolle!

An die Herrschaften von Pirelli und Metzler (quasi das Gleiche): Es ist ok, wenn ein Sportreifen nur 3000 km auf der Straße und 1000 km auf der Rennstrecke hält. Ihr müsst das nur auf die Packung schreiben! Hauptsache das Teil klebt am Asphalt! Und die meisten Big Enduristen sind hauptsächlich auf der Straße unterwegs! Also macht endlich hinne mit den Sportreifen.

Weil dem Profil des Michelin Road 5 Trail mittig beinahe nichts fehlte, habe mich dann entschieden, den Reifen nach der Rennstrecke auf der Straße weiter zu fahren. Hierzu werde ich den Reifen noch im Trentino fertig fahren.

Aufgepasst Vollgasbelastung

Aufgepasst, für alle, die das auf eigene Gefahr nachmachen wollen: Bedenke, das jede Heizphase also Vollgasbelastung in den Kurven jedem Reifen nach und nach den Grip nimmt. Durch die ständige Aufheizung des Reifens verliert dieser, durch Verhärtung (ich nehme an durch Weichmacherwanderung) Grip, so dass deine Monsterschräglage irgendwann einmal im Kiesbett, respektive in der Pampa endet. Also denke daran, rechtzeitig den Reifen zu wechseln. Ist übrigens bei jedem Reifen so.

Für mich die erste Wahl

Nach 403 km Rennstrecke (4.) lag der Vollgasverbrauch meiner Maschine bei enormen 11,7 Liter / 100 km (5.).

Im Strassenbetrieb liegt der bei 5,9 Litern / 100 km. Das erscheint mir in Ordnung so.

Die Super Adventure S mit dem Michelin Road 5 Trail, ist für mich ein Hammerbike, im Prinzip eine groß gewachsene Supermoto mit Superbike Genen und Offroad ebenfalls nicht zu unterschätzen.

Wenn man sich mit dem Bike beschäftigt und das Bike für sein Einsatzgebiet sattelt, also z.B. als Sporttourer (meine Ausrichtung) oder als Tourensportler oder als Offroader ist die KTM Super Adventure S für mich die erste Wahl und kann sie nur weiter empfehlen.

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